Der Mythos von Massada beruht auf einer legendären Rede.

Die berühmte letzte Rede des Eliazar (El Azars)
auf Massada 73 n. Chr.

Meine getreuen Gefolgsleute, vor langer Zeit entschlossen wir uns, weder den Römern noch sonst jemandem außer Gott zu dienen, der allein der wahre und gerechte Herr der Menschen ist; jetzt ist die Zeit gekommen, unsere Entschlossenheit durch unsere Taten zu beweisen. In solcher Zeit dürfen wir uns nicht selber entehren: Bis zu diesem Augenblick haben wir uns niemals der Sklaverei unterworfen, auch wenn sie mit keiner Gefahr verbunden war. Wir dürfen die Sklaverei auch jetzt nicht wählen, und mit ihr Strafen, die, wenn wir in die Hände der Römer fallen, das Ende von allem bedeuten werden. Denn wir hatten uns als erste von allen erhoben, und werden die letzten sein, die den Kampf beenden. Und ich meine, es ist Gott, der uns dieses Vorrecht gibt, edel und als freie Menschen sterben zu können, und nicht wie die anderen, die unerwartet geschlagen wurden. In unserem Fall ist es klar, daß mit dem Morgengrauen unserer Widerstand enden wird, aber wir sind frei, mit unseren geliebten Angehörigen einen ehrenvollen Tod zu wählen. Das können unsere Feine nicht verhindern, wie inbrünstig sie auch beten mögen, uns lebend zu bekommen; denn im Kampf können wir sie nicht schlagen.
Laßt unsere Frauen ungeschändet, unsere Kinder ohne die Erfahrung der Sklaverei sterben. Danach laßt uns gegenseitig ohne Murren einen Liebesdienst erweisen, der unsere Freiheit als ruhmvolles Leichentuch bewahrt. Aber zunächst laßt unseren Besitz und die ganze Festung in Flammen aufgehen. Es wird, wie ich weiß, ein harter Schlag für die Römer sein, unser Leben außerhalb ihrer Reichweite und nichts mehr für sie zum Plündern zu finden. Nur eines laßt uns aussparen - unser Lager an Nahrungsmitteln. Es wird, wenn wir tot sind, Zeugnis davon ablegen, daß wir nicht umkamen, weil wir Mangel litten, sondern weil wir von Anfang an entschlossen waren, lieber den Tod als die Sklaverei zu wählen.
Daß wir nur alle gestorben wären, ehe wir die Heilige Stadt durch Feindeshand so vollkommen zerstört, das Heiligtum so frevelhaft geschändet sahen! Aber da uns ein ehrenwertes Streben zu der Ansicht verleitete, es könnte uns vielleicht gelingen, sie an ihren Feinden zu rächen, und da nun alle Hoffnung dahin ist, wir unserem Schicksal überlassen sind, so laßt uns sogleich den Tod in Ehren wählen und uns, unseren Frauen und Kindern den besten Dienst erweisen, so lange es noch möglich ist, irgend etwas für uns zu tun. Schließlich wurden wir alle geboren, um zu sterben, wir und all jene, die wir in diese Welt gesetzt haben: Dies muß sogar der Glücklichste gegenwärtigen. Aber Mißhandlung, Sklaverei sowie der Anblick unserer Grauen, die mit unseren Kindern in die Schande fortgeführt werden - das sind keine Übel, denen der Mensch aufgrund von Naturgesetzen unterworfen ist: Die Menschen erleiden sie aufgrund ihrer eigenen Feigheit, wenn sie eine Gelegenheit haben, ihnen durch den Tod zuvorzukommen und diese Gelegenheit nicht nutzen wollen. Wir sind sehr stolz auf unseren Mut, deshalb erhoben wir uns gegen Rom. Zum Schluß haben sie uns noch angeboten, unser Leben zu schonen, aber wir haben dieses Angebot abgelehnt. Ist irgendjemand zu blind, um zu erkennen, wie schrecklich sie sein werden, wenn sie uns lebend bekommen? Habt Mitleid mit den Jungen, deren Körper stark genung sind, um längere Foltern zu überleben; habt Mitleid mit den Nicht-so-jungen, deren ältere Konstitution unter einem solchen Mißbrauch zusammenbrechen würde. Ein Mann müßte zusehen, wie seine Frau mit Gewalt fortgeschleppt wird; er würde die Stimme seines Kindes "Vater" rufen hören, während ihm die eigenen Hände gefesselt werden. Kommt, solange unsere Hände frei sind und ein Schwert halten können, laßt sie ein edles Werk verrichten! Laß uns sterben, ohne von unseren Feinden versklavt worden zu sein, und diese Welt alt als freie Menschen zusammen mit unseren Frauen und Kindern verlassen." (Josephus Flavius, Der jüdische Krieg)
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