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Überlebende des Holocaust / Biographien |
Literaturangaben |
Hinweise |
Inge Deutschkron Inge Deutschkron |
Inge Deutschkron, geboren 1918,
aufgewachsen in Berlin , hat
den Holocaust überlebt, ab 1955 nach längeren
Auslandsaufenthalten als Journalistin in Bonn und Tel
Aviv für die israelische Zeitung 'Maarviv' gearbeitet
und 1966 die israelische Staatsangehörigkeit angenommen;
auch danach war sie jedoch häufig in Berlin. - Sie
"... mußte erfahren, was es heißt, ein jüdisches
Kind zu sein. Zunächst bedeutete dies nur, nicht mit
Gleichaltrigen spielen zu können, vom Schwimm- und
Sportunterricht ausgeschlossen zu sein, mehrmals die
Schule zu wechseln und in andere Stadtviertel umziehen zu
müssen. Allmählich kommt die Angst vor Verhaftungen
hinzu ... Der Ausbruch des Krieges verhindert die
Emigration." (Klappentext) Sehr bewegend, z. T.
jedoch auch humorvoll wird das Leben unter falschem Namen
in der Illegalität geschildert, das ohne die
Hilfsbereitschaft und den Mut von Freunden nicht möglich
gewesen wäre. Dies ist eine Fortsetzung der o.g. Autobiographie von 1945 bis in die Gegenwart, zugleich ein engagiertes, kritisches Zeitzeugnis der letzten 54 Jahre. |
Cordelia
Edvardson |
"Die vierzehnjährige 'Dreivierteljüdin' Cordelia ist fast schon gerettet, da erpeßt die Gestapo eine folgenschwere Unterschrift von ihr. Wenn sie sich weigert, wird man ihrer Mutter, der Schriftstellerin Elisabeth Langgässer, den Prozeß machen ..." (Klappentext) |
Ruth Elias | |
Saul Friedländer |
In dieser Autobiographie, angelegt als Tagebuch vom Juni bis Dezember 1977, erinnert sich Saul Friedländer, geboren 1932, an seine Kindheit als Sohn deutschsprachiger Juden in Prag, an die Flucht der Familie nach Frankreich, sein Überleben dort - als Katholik unter falschem Namen in einem katholischen Internat, während seine Eltern ermordet wurden, - und seine bewußte Hinwendung zum Judentum bis zu seiner Auswanderung nach Israel 1948. - Prägend sind weniger Chronologie und Detailliertheit der Ereignisse als deren vielschichtig erläuterte Auswirkungen auf Gefühle und Gedanken des Autors. Eingeblendet sind Erfahrungen bei Reisen nach Europa, vor allem jedoch Reflexionen über Widersprüche der israelischen Gesellschaft und den schwierigen Weg zum Frieden - ein sehr persönliches, nachdenkliches, bewegendes Buch. |
Ester Golan |
Ester Golan, 1923 als Ursula Dobkowsky in Schlesien geboren, lebt heute in Jerusalem. Sie studierte und unterrichtete Soziologie und Erziehungs- wissenschaften. Bei unserer Israel-Fahrt 1998 haben wir erleben können, wie nüchtern und anrührend zugleich sie jungen Menschen ihre Erfahrungen nahezubringen versteht. Sie konnte 1939 mit einem der letzten Kindertransporte dem Holocaust nach Schottland entkommen. Ihre Eltern, die sich nur schweren Herzens von ihrer Tochter trennten, um deren Leben zu retten, wurden 1942 nach Thereseinstadt deportiert und später ermordet. Die liebevollen Briefe der Eltern aus den dazwischenliegenden Jahren hat Ester Golan gesammelt und in diesem Band veröffentlicht, knapp eingebettet in ihre eigene Lebensgeschichte - ein sehr bewegendes Zeitdokument. |
Imre Kertesz |
Auschwitz aus der Perspektive eines Kindes, das über die schlimmsten Erfahrungen - kaum begreifend, was es erlebt - eher beobachtend erzählt. Literatur-Nobelpreis 2002 |
Ruth Klüger |
Ruth Klüger, * 1931 in Wien, schildert einerseits sehr differenziert zunehmende soziale Ausgrenzungen, unterschiedliche Bedingungen in drei Konzentrationslagern (Theresienstadt, Ausschwitz-Birkenau und Christianstadt, die sie mit ihrer Mutter zusammen überlebt hat), ihre riskante Flucht kurz vor Kriegsende unter falschem Namen, die ersten Jahre nach dem Krieg in Süddeutschland (Schule, Notabitur mit 15 J., Studienbeginn) sowie im Schlußteil vor allem ihr Leben in den USA. Besonders beeindruckend sind ihre genauen Beobachtungen und ihre nuancenreichen Reflexionen über die lebensbegleitenden Auswirkungen ihrer Erfahrungen. Auch ihre Gedichte und Gedanken zur lebensrettenden Rolle der Lyrik eröffnen unvertraute Perspektiven - eine ergreifende, anregende, mehrfach zu lesende Biographie! |
Sally Perel |
Sally Perel, 1925 in Peine geboren, hat unter dem Druck innerer Not nach ca. 40 Jahren erstmals offenbart, wie er den Holocaust als Hitlerjunge Jupp Perjell überlebte. Was ihn so lange schweigen ließ, erklärt er in seinem Vorwort: "... Hatte ich das Recht, mich mit den Widerstandskämpfern, den Gefangenen der Konzentrationslager und der Ghettos zu vergleichen...? Sie waren Helden. Mit ihrem Leid waren sie bis an die Grenze dessen gegangen, was ein Mensch ertragen kann. ... Ich dagegen war zur selben Zeit unbehelligt unter den Nazis umhergegangen, hatte ihre Uniform und das Hakenkreuz auf meiner Mütze getragen und 'Heil Hitler!' gebrüllt, als hätte ich mich tatsächlich mit ihrer verbrecherischen Ideologie und ihren barbarischen Zielen identifiziert." (S.5 )- Sein uneingeschränkt ehrliches Buch verdeutlicht an zahlreichen Beispielen den Irrwitz der Situation ebenso wie seine innere Zerrissenheit. ( Nach diesem Buch ist der gleichnamige preisgekrönte Film entstanden.) |
Hans Rosenthal |
Die Autobiographie von Hans Rosenthal, dem bekannten deutschen Entertainer, *1925, umfaßt seine zunächst unbeschwerte Kindheit als Sohn einer deutschen jüdischen Familie in Berlin, Bedrängnisse, Ängste und trügerische Zuversicht nach der Machtergreifung , Krankheit und Tod der Eltern, die Ermordung seines kranken Bruders durch die Nationalsozialisten und sein eigenes erstaunliches Überleben dank mehrerer Glücksfälle, wie er mehrfach betont. - Die weiteren Kapitel schildern die Zeit nach 1945 und seinen beruflichen Aufstieg; sie bieten zugleich einen interessanten Blick in die Medienlandschaft jener Zeit. Das Buch endet konsequenterweise mit einem Plädoyer für Toleranz und Menschlichkeit. |
Angelika Schrobsdorf |
Die (Auto-)Biographie beruht auf eigenen Erfahrungen, Briefen, Tagebüchern, Fotoalben etc. Sie erzählt lebendig das Leben der Mutter, einer lebensfrohen Frau aus einer begüterten Berliner Familie: ihr zunächst vitales, unbeschwertes gesellschaftliches Leben in Berlin zu Beginn des Jahrhunderts, ihre Flucht mit beiden Töchtern vor den Nationalsozialisten nach Bulgarien, ermöglicht durch die Hilfe des geschiedenen Ehemannes und eine Zweckheirat 1939, die erbärmlichen Überlebensbedingungen dort, zusätzlich belastet durch den Tod des Sohnes, die trüben Jahre nach 1945, wieder in Deutschland. - Deutlich wird u.a., wie naiv zuversichtlich viele deutsche Juden auch nach der Machtergreifung zunächst noch waren, wie unvorbereitet sie der Terror traf - eine Schilderung "voller Leidenschaft, aber ohne Pathos, voller Mitgefühl und Bewunderung und dennoch mit kritischem Blick ..." (Klappentext). |
Zur Ergänzung gut geeignet: | |
Lea Fleischmann |
Die Autorin, nach 1945 geboren und hier aufgewachsen, ist 1979 nach Israel ausgewandert. Mit dem Band erklärt sie ihren Schritt. Ihre Schilderungen beginnen mit Lagererfahrungen als Displaced Person, den erschreckenden Erinnerungen ihrer Umwelt an den Holocaust, häuslichen Situationen und ihrer Sonderrolle in der Schule. Die so gewachsene Empfindsamkeit und Ablehnung autoritärer Strukturen kennzeichnen ihre Auseinandersetzungen an der Universität, im Schuldienst und mit bürokratischen Regelungen. Ihre Auseinandersetzung mit verkrusteten Strukturen, die sie als typisch für die deutsche Gesellschaft erlebt, ist oft emotional und mitunter auch provozierend. |
Jane E. Gilbert |
Der Titel ist zugleich Leitmotiv dieser Autobiographie. Jane E. Gilbert, geboren 1947 und als assimilierte amerikanische Jüdin in New York aufgewachsen, schildert ihren komplizierten Weg von blindem Haß auf alles Deutsche zu einer kritisch-differenzierten Beziehung zu Deutschland. Nach ca. 15jährigem Aufenthalt in Westberlin und der Bundesrepublik nimmt sie schließlich die deutsche Staatsbürgerschaft an. - Beeindruckend sind einerseits die ungeschminkten Darstellungen antideutscher Ressentiments der amerikanischen jüdischen Minderheit, der sie entstammt, vor allem jedoch die sehr genau beobachteten Varianten im Umgang vieler Deutscher mit Juden nach 1945. Bestechend ist auch die sehr perönliche Auseinandersetzung mit immer neuen Erkenntnissen, z. B. über die Rolle der USA während des II. Weltkriegs, die Probleme des Staates Israel und der Palästinenser. So bietet diese Autobiographie nicht nur einen Spiegel der deutschen Gesellschaft, besonders der studentischen Kultur in Berlin in den 70er Jahren, sondern immer wieder überraschende Perspektiven und Denkanstöße. Die Autorin sensibilisiert gegen jede Art von Rassendiskriminierung. |
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