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| Einige unserer Gäste auf dem Schulhof der Sophienschule, fast immer vergnügt |
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Um mich seelisch auf das Schreiben dieses Berichtes einzustimmen, höre ich mal wieder den "Song of Palestinia", welcher, wie gewünscht, viele Erinnerungen in mir weckt. Zum Beispiel muss ich daran denken, wie mir meine Gastschwester Fatina die Kassette, mit vielen anderen Gastgeschenken, voller Stolz überreichte oder wie die gesamte Gruppe uns, bei einem Treffen in der zweiten Woche in Wettbergen, dieses Lied aus lauter Begeisterung einfach vorsang. Dies sind Bilder, die ich wohl nicht mehr vergessen werde und die mich immer wieder in eine sentimentale Stimmung versetzen, da jetzt erst die Einmaligkeit dieses Austausches deutlich wird. Aber klar ist auch, dass es nicht nur positive Vorkommnisse gab. So traten gerade bei dem Besuch unserer palästinänsischen Gäste hier in Hannover einige unvorher- gesehene Probleme auf, die es zu lösen galt, ohne die Ruhe zu verlieren. Gleich zu Beginn verfielen einige der Mädchen nahezu in einen Essstreik, der nur schwer mit der deutschen Definition von Höflichkeit überein zu bringen war. Missverständnisse aufgrund kulturbedingter Unterschiede oder sprachlicher Defizite waren nahezu an der Tagesordnung. Zum Teil wurde es den deutschen Gastgebern aber auch durch das offen gezeigte Desinteresse einzelner Schüler an unserer Kulter und Geschichte nicht gerade leicht gemacht. ( *Anm.) Ein kleines Beispiel für die unterschiedlichen Interessengebiete der israelischen und deutschen Schüler gab es bei einem Besuch im Zoo. Es stellte sich nämlich heraus, dass wir deutschen Schüler alle sehr begeistert den neu renovierten Zoo begutachteten und uns geradezu in euphorischer Stimmung verloren, während unsere Gäste sich lieber ihren Unterhaltungen auf einer Bank hingaben. Unsere Versuche, die Aufmerksamkeit unserer Gäste auch für das eine oder andere der possierlichen Tiere zu gewinnen, blieben leider erfolglos. Als es allerdings darum ging, den E - Zaun am Wolfgehäge anzufassen, waren wenigstens die Jungen sofort begeistert dabei. Nicht schlimm, aber irritierend. Als besonders schwierig und aufreibend stellte sich jedoch der Besuch in der Gedenkstätte Bergen Belsen heraus, da es auf Grund der unterschiedlichen geschichtlichen Gegebenheiten z. T. sehr schwer fiel, noch Verständnis für die jeweils andere Sichtweise aufzubringen. Hauptgrund für viele heftige Diskussionen war der Sachverhalt, dass sich die Palästinenser selbst als Opfer der Juden sehen und deshalb unsere Stellung zu dem Thema nicht nachvollziehen konnten.( ** Anm.) Anhand solcher Gespräche merkte man aber auch eine unserer Meinung nach zu geringe Vorbereitung der arabischen Gruppe auf ihren Besuch in Hannover. So wurde es für uns eine ziemlich anstrengende und teils auch sehr nervenaufreibende Woche. Trotzdem bin ich der Ansicht, dass das Positve bei diesem Austausch eindeutig überwog. Das Kennenlernen eines völlig neuen und anderen Kulturkreises und der Umgang mit unseren Freunden, die in manchen Bereichen eben doch so ganz anders waren und dachten als wir, hat diesen Austausch bestimmt. Angesichts dessen denke ich, ist das manchmal schwer verständliche Verhalten unserer Gäste auch als Teil einer vollkommen anderen Kultur zu deuten, die wir nur bruchstückweise begriffen haben. Sicher gab es auch bei unserem Besuch in Israel den einen oder anderen Fehltritt unsererseits, der die Toleranzbereitschaft der Araber beanspruchte, ohne dass sie es uns hätten spüren lassen. Mein Fazit : SUPER Austausch; bei dem Kultur, Spaß und Freundschaft nicht zu kurz kamen. |
| * Einer der arabischen Kollegen erklärte
dieses Verhalten damit, dass die große Mehrzahl der
arabischen Schüler und Schülerinnen noch nie im Ausland
gewesen sei bzw. überhaupt keine größeren
Reiseerfahrungen habe und sich durch die vielen Eindrücke
überfordert fühle. Studienfahrten nach unserem Konzept
seien ihnen ebenfalls fremd und viel zu überladen. Sie
seien nach Deutschland gekommen um "ihre Freunde zu
besuchen und Spaß zu haben". Gleichzeitig ist
jedoch anzumerken, dass frühere Gruppen weniger Probleme
damit hatten und auch diese Gruppe je nach Situation
unterschiedlich reagierte. Eine Ausstellung im
Historischen Museum über Deutschland nach dem Zweiten
Weltkrieg interessierte sie z. B. sehr.
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| ** Tendenz
der Argumentation: Was mit den Juden in
Deutschland geschehen sei, sei zwar sehr schlimm, aber
lange her. Wir sollten deshalb unsere "unnötige",
"selbstquälerische" Auseinandersetzung "mit
der Vergangenheit" endlich aufgeben und statt dessen
"genauer hinschauen", was "die Juden heute
mit den Palästinensern" machten (Zitate aus einem
Gespräch) - R. B. |
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